Hintergrund

Deutschland steht bei der akademischen Qualifizierung der Gesundheitsfachberufe für klientennahe Tätigkeiten noch am Anfang und weist im internationalen Vergleich einen deutlichen Nachholbedarf auf (vgl. Aiken et al. 2014; Darmann-Finck et al. 2013). Modellklauseln in den Berufsgesetzen ermöglichen seit 2003 (Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege sowie Altenpflege) bzw. 2009 (Hebammenkunde, Logopädie, Physiotherapie und Ergotherapie) die Einrichtung ausbildungsintegrierender Studiengänge, die seit einigen Jahren auch in zunehmendem Maße angeboten werden.

Nordrhein-Westfalen nimmt bei der Einrichtung von Modellstudiengängen  für die Gesundheitsfachberufe eine besonders prägende Stellung ein. Seit dem Wintersemester 2010/2011 starteten in Nordrhein-Westfalen an sieben Hochschulstandorten 11 Studiengänge, die unter Anwendung der Modellklauseln der jeweiligen Berufsgesetze Gesundheitsfachkräfte auf akademischem Niveau qualifizieren. Die Absolvent*innen dieser Studiengänge erwerben dabei sowohl einen Berufsabschluss als auch eine akademische Erstqualifizierung auf Bachelorniveau. Bislang schlossen mehr als 900 Absolvent*innen der Modellstudiengänge in NRW ihr Studium ab und stehen nun als akademisch qualifizierte Fachkräfte dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.

Bundesweit besteht mit Blick auf die laufenden Diskussionen zur Notwendigkeit und zum Umfang einer Akademisierung der Gesundheitsfachberufe ein immens hohes Interesse an Erkenntnissen zum Verbleib der hochschulisch qualifizierten Absolvent*innen (vgl. z. B. Darmann-Finck et al. 2014). Vor diesem Hintergrund soll nach den bislang vorliegenden Informationen bereits im Herbst 2018 ein erster Austausch über Erkenntnisse aus der mittlerweile zweiten Modellphase auf Bundesebene erfolgen.

Ziel der Studie

Ziel aller elf Modellstudiengänge ist es, die Absolvent*innen für klientennahe Tätigkeiten zu qualifizieren. Insofern ist es das übergeordnete Ziel der Studie VAMOS herauszufinden, ob und zu welchem Anteil die Absolvent*innen tatsächlich in ihrer beruflichen Praxis solche klientennahen Tätigkeiten übernehmen und ob auch nach mehreren Jahren in der Berufspraxis ein Verbleib in der patientennahen Versorgung erreicht wird.

Beschäftigungssituation

Ziel der Verbleibstudie ist es daher, ein detailliertes Bild über relevante Beschäftigungsaspekte der Absolvent*innen zu generieren, insbesondere dazu, welche Aufgaben- und Verantwortungsbereiche die Absolvent*innen  in der Praxis übernehmen und inwieweit diese sich von jenen ihrer nicht akademisch qualifizierten Kolleg*innen unterscheiden.

Kompetenz und Performanz

Damit in Verbindung stehen weiter die Fragen, inwieweit die Absolvent*innen ihre erworbenen Kompetenzen in ihrer beruflichen Praxis anwenden können und in welchen Handlungskontexten dies geschieht.

Zufriedenheit und Entwicklungsperspektiven

Darüber hinaus ist mit Blick auf den Verbleib und die Zukunftsfähigkeit entsprechender Qualifizierungswege von Bedeutung, wie zufrieden die Absolvent*innen in ihrem jeweiligen Arbeitsfeld sind und welche Entwicklungsperspektiven sie für sich erkennen.

Rahmenbedingungen und Organisationsmerkmale

Da zudem eine ausgeprägte Wissenschaftsorientierung bzw. Evidence Based Practice wesentlich durch die Strukturen und Prozesse in der klinischen Praxis beeinflusst wird (vgl. Boström et al. 2008), ergibt sich als weitere übergeordnete Forschungsfragestellung, welche Rahmenbedingungen und Organisationsmerkmale begünstigend bzw. hemmend auf die qualifikationsadäquate Berufseinmündung und Erwerbsbeteiligung wirken.

Einschätzungen und Planungen der Arbeitgeber*innen   

In Zusammenhang mit allen genannten Zielsetzungen der Verbleibstudie erscheint es sinnvoll, neben einer Befragung von Absolvent*innen, auch die Einschätzungen und Planungen der Arbeitgeberseite zu erfassen, da aktuell verlässliche Daten dazu fehlen, wie diese hinsichtlich akademisch primärqualifizierter Fachkräfte plant und wie sie diese Fachkräfte wahrnimmt.

Detaillierte Informationen zu den Erhebungsschwerpunkten und einzelnen Forschungsfragen finden Sie hier.

Verwertung der Ergebnisse und Ausblick

Mit Hilfe des im Querschnittdesign angelegten Forschungsprojekts wird eine solide wissenschaftlich fundierte Datenbasis zur Berufseinmündung und Beschäftigung der Absolvent*innen der Modellstudiengänge geschaffen. Diese Basis kann zukünftig für politische Diskussions- und Entscheidungsprozesse zur Ausgestaltung hochschulischer Ausbildungsmöglichkeiten in den Gesundheitsfachberufen genutzt werden. Um vertiefende Erkenntnisse zu beruflichen Entwicklung der Absolvent*innen und den mit dieser in Wechselwirkung stehenden Systembedingungen zu erhalten, erscheint eine an das dargestellte Forschungsprojekt anschließende, Individuen begleitende Längsschnittstudie erforderlich.

Projektlaufzeit

01.Juli 2017 – 30. Juni 2019

 

 

 

 

 

Quellen:
Aiken, L. H., Sloane, D. M., Bruyneel, L., van den Heede, K., Griffiths, P., Busse, R., Diomidous, M., Kinnunen, J., Kózka, M., Lesaffre, E., McHugh, M. D., Moreno-Casbas, M. T., Rafferty, M., Schwendimann, R., Scott, A., Tishelman, C., van Achterberg, T. & Sermeus, W. (2014). Nurse staffing and education and hospital mortality in nine European countries. A retrospective observational study. The Lancet, 383, 1824-1830.

Darmann-Finck, I., Muths, S., Görres, S., Adrian, C., Bomball, J. & Reuschenbach, B. (2014). Abschlussbericht Dezember 2014 – Inhaltliche und strukturelle Evaluation der Modellstudiengänge zur Weiterentwicklung der Pflege- und Gesundheitsfachberufe in NRW. Zugriff am 06.04.2018. Verfügbar unter https://www.mags.nrw/sites/default/files/asset/document/pflege_abschlussbericht_26_05_2015.pdf

Darmann-Finck, I., Muths, S., Görres, S., Beckmann, H., Adrian, C., Stöver, M. Bomball, J. & Reuschenbach, B. (2013). Inhaltliche und strukturelle Evaluation der Modellstudiengänge zur Weiterentwicklung der Pflege- und Gesundheitsfachberufe in NRW. Erster Zwischenbericht vom 15. Februar 2013. Bremen/München: Unveröffentlichter Forschungsbericht.